Malerei lernen & Fähigkeiten verbessern – Zeichen- und Malkurse in Berlin
von Juan Carlos Rosa Casasola, 2025

Wie du deine Malfähigkeiten verbessern kannst
Eine persönliche Anmerkung: Zeichnen ist nicht nur Talent
Als ich mit dem Malen angefangen habe, hatte ich dieselbe Frustration, die viele meiner Schüler*innen heute kennen: Ich konnte sehen, was ich zeichnen wollte – aber ich wusste nicht, wie ich dorthin komme. Und damit meine ich nicht nur realistisch zeichnen, sondern auch Texturen, Atmosphäre und den emotionalen Charakter eines Bildes einzufangen.
Wenn du regelmäßig übst, dich aber trotzdem festgefahren fühlst, liegt das Problem vielleicht nicht an deiner Hand – sondern an deinem Auge. Viele Menschen geben zittrigen Linien oder mangelnder Kontrolle die Schuld. Aber zittrige Linien können wunderschön sein – solange du hinter ihnen stehst. Das eigentliche Problem liegt oft darin, wie wir sehen.
In diesem Artikel möchte ich einen der größten Durchbrüche meiner künstlerischen Entwicklung mit dir teilen – und erklären, wie er meine Art zu malen und zu unterrichten grundlegend verändert hat. Alles begann mit einem Buch.
Linke Gehirnhälfte, rechte Gehirnhälfte: Sehen wie ein*e Künstler*in
Im Buch Drawing on the Right Side of the Brain von Betty Edwards wird eine spannende Idee vorgestellt:
Wir verbringen den Großteil unseres Alltags im linken Teil unseres Gehirns – zuständig für Sprache, Logik und Kategorisierung.
Beim Zeichnen und Malen müssen wir jedoch in den rechten Teil wechseln – dort sitzen visuelle Wahrnehmung, räumliches Denken und Intuition.
Dieser Perspektivwechsel macht den entscheidenden Unterschied. Eine der überraschendsten Übungen aus dem Buch ist das Upside-Down Drawing. Probier es aus:
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Nimm ein beliebiges Bild – ein Foto, eine Zeichnung oder sogar Text – und versuche, es abzuzeichnen.
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Danach drehst du das Bild auf den Kopf und zeichnest es erneut auf ein neues Blatt.
Vergleiche anschließend beide Zeichnungen. Die Unterschiede sind oft erstaunlich. Warum? Weil dein Gehirn irritiert ist. Die linke Gehirnhälfte kann das Gesehene nicht mehr benennen – und gibt auf. Die rechte übernimmt und konzentriert sich auf Formen, Winkel und Beziehungen.
Die Falle der Symbole
Wir bewegen uns durch den Alltag mit Symbolen im Kopf: Ein Gesicht hat zwei Augen, eine Nase, einen Mund. Ein Baum hat einen Stamm und Blätter. Ein Apfel ist rot und rund.
Diese Abkürzungen helfen uns im Alltag – aber sie sind Gift für realistisches Zeichnen. Sobald wir uns auf diese Symbole verlassen, ist unser Gehirn schneller als unsere Beobachtung. Wir hören auf, wirklich zu sehen. Und das passiert nicht nur beim Zeichnen.
Um deine Malerei zu verbessern, musst du langsamer werden, die linke Gehirnhälfte „leiser drehen“ und mit frischen Augen schauen – ohne Bedeutung, ohne Etiketten.
Achte auf Linien, Formen, Licht, Texturen, Raum.
Ja, diese Art zu sehen fühlt sich am Anfang abstrakt oder verwirrend an. Aber genau darin liegt das Paradox: Um realistischer zu zeichnen, musst du lernen, abstrakter zu sehen. Das ist eine Fähigkeit, die Künstler*innen gezielt trainieren – und etwas, das jede*r lernen kann.
3 praktische Übungen, um dein Auge zu trainieren
Diese Wahrnehmungsübungen nutze ich regelmäßig in meinen Mal- und Zeichenkursen in Berlin. Über die Jahre habe ich sie weiterentwickelt – mit großartigen Ergebnissen.
1. Blindzeichnen
Nimm Stift und Papier. Setze den Stift auf das Blatt.
Jetzt – ohne auf das Papier zu schauen – wähle einen Gegenstand hinter dir und beginne zu zeichnen.
Deine Augen bleiben die ganze Zeit beim Objekt. Bewege den Stift langsam und bewusst, folge Kanten, Kurven und Ecken. Versuche, jede kleine Veränderung wahrzunehmen. Es gibt unendlich viele visuelle Informationen zu entdecken. Das Ergebnis sieht vielleicht seltsam aus – vielleicht magst du es, vielleicht nicht. Aber darum geht es nicht.
Diese Übung schult Präsenz und die Verbindung zwischen Auge und Hand. Wenn du danach wieder „normal“ zeichnest, denkst du automatisch in Linien, Kurven und räumlichen Beziehungen – nicht mehr in „Vase“, „Blume“ oder „Blatt“.
2. Negativraum malen
Eine klassische und sehr wirkungsvolle Übung. Du brauchst einen großen Pinsel und Acrylfarbe. Keine feinen Linien. Such dir einen Stuhl – bei dir zu Hause, im Atelier oder auf einem Foto. Aber statt den Stuhl zu malen, malst du die Luft um ihn herum.
Konzentriere dich auf die leeren Flächen: zwischen den Beinen, unter der Sitzfläche, entlang der Kanten. Male die Formen, die du siehst – nicht das, was du zu wissen glaubst. Du wirst überrascht sein, wie lebendig und korrekt das Ergebnis wirkt – obwohl du das Objekt nie direkt gemalt hast.
3. In Schwarz-Weiß sehen
Diese Übung klingt vertraut – schließlich haben wir alle mit Bleistift auf weißem Papier gezeichnet. Aber hier kommt der Twist: Versuche bewusst, Farbe zu ignorieren. Konzentriere dich nur auf Tonwerte – hell und dunkel, Licht und Schatten.
Ein guter Anfang ist zum Beispiel ein Bleistift. Vergiss, dass es ein Bleistift ist. Zeichne nur die Schatten, Mitteltöne und Kontraste, die du wirklich siehst.
Wenn du lernst, in Schwarz-Weiß zu sehen, werden deine farbigen Gemälde automatisch viel differenzierter und spannender.
Lust, dein Sehen gemeinsam zu trainieren?
Wenn du deine Zeichen- und Malfähigkeiten vertiefen möchtest, lade ich dich herzlich ein, an einem meiner Mal- und Zeichenworkshops in Berlin teilzunehmen.
Ich unterrichte Anfänger*innen und Fortgeschrittene, auf Deutsch, Englisch und Spanisch – in einer offenen, entspannten Atmosphäre.